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Institut Trester

Trockenheit bei Augenprothesen

von | 12.10.2026 | Forschung

Wie Tränenfilm-Messungen die Diagnostik unterstützen können

Trockenheit, Reizungen oder ein unangenehmes Gefühl auf der Prothesenseite können den Alltag von Menschen mit einer Augenprothese beeinträchtigen. Hinter diesen Beschwerden kann das trockene anophthalmische Socketsyndrom, kurz DASS, stehen. Eine wissenschaftliche Studie unter Beteiligung von Marc Trester untersucht, wie zwei einfache Tränenfilm-Tests helfen könnten, diese Erkrankung genauer zu beurteilen.

Was ist das trockene anophthalmische Socketsyndrom?

Auch nach dem Verlust eines Auges spielt der Tränenfilm eine wichtige Rolle. Er benetzt die Augenprothese und die umgebende Bindehaut und trägt dazu bei, dass sich die Prothese angenehm tragen lässt.

Beim DASS ist dieses Zusammenspiel gestört. Veränderungen des Tränenfilms, Entzündungen der Bindehaut und Probleme an den Lidern können zusammenwirken. Dabei muss nicht zwangsläufig zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden sein: Auch ihre Zusammensetzung und Verteilung sind entscheidend.

Die Studie: 98 Menschen mit Glasaugenprothesen

Das Forschungsteam untersuchte 98 Personen, die seit mindestens einem Jahr eine einseitige Augenprothese aus Kryolithglas trugen. Die Teilnehmenden wurden am Institut Trester in Köln gewonnen; die wissenschaftliche Untersuchung wurde von der Augenklinik der Universität zu Köln durchgeführt.

Verglichen wurden jeweils die Prothesenseite und das erhaltene Gegenauge. Neben einem Fragebogen zu Beschwerden und der Beurteilung von Bindehaut und Lidern kamen zwei Tests zum Einsatz:

Tränenfilm-Osmolarität: Dieser Wert beschreibt die Konzentration gelöster Teilchen in der Tränenflüssigkeit. Eine erhöhte Konzentration kann auf ein gestörtes Gleichgewicht des Tränenfilms hinweisen. Für die Messung genügt eine sehr kleine Tränenprobe.

Entzündungsmarker MMP-9: Die Matrix-Metalloproteinase 9 ist ein Enzym, das bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt. Ein Schnelltest kann erhöhte Mengen im Tränenfilm nachweisen.

Was zeigen die Ergebnisse?

Auf der Prothesenseite fanden sich im Vergleich zum Gegenauge deutlich stärkere Beschwerden, ausgeprägtere Bindehautentzündungen und höhere Werte bei beiden Tränenfilm-Tests.

Die wichtigsten Beobachtungen:

  • Rund 55 Prozent der untersuchten Prothesenseiten hatten eine Tränenfilm-Osmolarität über 300 mOsm/L – dem in der Studie verwendeten Grenzwert.
  • Rund 58 Prozent zeigten einen positiven MMP-9-Test. Am Gegenauge waren es etwa 3 Prozent.
  • Eine höhere Tränenfilm-Osmolarität war mit stärkeren subjektiven Beschwerden verbunden.
  • Stärker ausgeprägte Bindehautentzündungen gingen mit höheren MMP-9-Testwerten einher.

Zusätzlich bestand ein Zusammenhang zwischen Entzündungen am hinteren Lidrand und einer erhöhten Tränenfilm-Osmolarität. Dort befinden sich die Öffnungen der Meibom-Drüsen, deren Sekret die Fettschicht des Tränenfilms unterstützt und die Verdunstung begrenzt.

Die beiden Tests erfassen somit unterschiedliche Aspekte: Die Osmolarität gibt Hinweise auf das Gleichgewicht des Tränenfilms, MMP-9 auf entzündliche Vorgänge.

Was bedeutet das für die Versorgung?

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass diese Messungen die augenärztliche Untersuchung bei DASS sinnvoll ergänzen könnten. Sie liefern objektive Hinweise, die zusammen mit den Beschwerden und dem klinischen Befund beurteilt werden müssen. Ein einzelner Testwert reicht für die Diagnose nicht aus.

Das Forschungsteam sieht außerdem Potenzial, die Messwerte künftig zur Verlaufskontrolle und zur Untersuchung von Behandlungserfolgen einzusetzen. Ob sie zuverlässig vorhersagen können, welche Behandlung bei einzelnen Betroffenen wirkt, wurde in dieser Studie jedoch nicht nachgewiesen. Dafür sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Die Studie verglich auch keine Prothesenmaterialien miteinander. Aus ihren Ergebnissen lässt sich daher nicht ableiten, dass Glasaugenprothesen die Ursache der gemessenen Veränderungen sind.

Beschwerden ansprechen und gemeinsam abklären

Anhaltende Trockenheit oder Reizungen sollten bei der Betreuung von Menschen mit Augenprothese gezielt angesprochen werden. Eine augenärztliche Untersuchung kann klären, ob Veränderungen des Tränenfilms, Entzündungen oder Lidprobleme vorliegen.

Ergänzend prüfen wir im Institut Trester die Passform und den Zustand der Augenprothese und beraten zur Pflege. Die Zusammenarbeit zwischen Augenärztinnen und Augenärzten und der Augenprothetik hilft dabei, mögliche Ursachen aus beiden Blickwinkeln zu betrachten.

Die Untersuchung liefert einen weiteren Baustein zum Verständnis des DASS: Beschwerden lassen sich durch zusätzliche Messwerte besser einordnen. Das schafft eine Grundlage für die weitere Forschung und eine gezieltere Betreuung von Menschen mit Augenprothese.

Wissenschaftliche Quelle:
Rokohl AC, Wall K, Trester M et al. Novel point-of-care biomarkers of the dry anophthalmic socket syndrome: tear film osmolarity and matrix metalloproteinase 9 immunoassay. Graefe’s Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology.
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